So prüfen Sie Ihren Helm nach einem Sturz auf versteckte Schäden

Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Motorradfahrer: Untersuchen Sie die Außenschale und das EPS-Innenfutter nach einem leichten Sturz auf Mikrorisse und Kompressionsschäden, um zu entscheiden, ob ein Austausch erforderlich ist.

von Patrik Baroe

Wie Helme Energie absorbieren

Motorradhelme sind als Einweg-Schutzvorrichtungen konzipiert. Sie nutzen ein zweiteiliges System, um bei einem Aufprall kinetische Energie abzubauen: die Außenschale und die Innenschale. Die Außenschale verteilt die Aufprallkraft auf eine größere Fläche, um ein Durchschlagen zu verhindern. Darunter liegt die Innenschale aus expandiertem Polystyrol (EPS), ein dichter Schaumstoff, der als primärer Energieabsorber dient.

Bei einem Aufprall verformt sich das EPS dauerhaft. Es wird gestaucht, um die Energie aufzunehmen, die sonst direkt auf Ihren Schädel und Ihr Gehirn einwirken würde. Da dieses Material darauf ausgelegt ist, bei Belastung zu kollabieren, kann es nach der Kompression nicht in seinen ursprünglichen Zustand zurückkehren. Selbst wenn die Außenschale nach einem Sturz unversehrt aussieht, kann das EPS im Inneren Mikrorisse oder lokale Stauchungen erlitten haben. Sobald diese strukturelle Integrität beeinträchtigt ist, verliert der Helm seine Fähigkeit, bei einem echten Unfall effektiv Energie zu absorbieren.

Untersuchen Sie die EPS-Innenschale immer auf Anzeichen von Dellen oder Knitterspuren. Dies sind klare Indikatoren dafür, dass das Material seine einmalige Schutzfunktion bereits erfüllt hat.

Der Inspektionsprozess

Eine Helmprüfung erfordert ein systematisches Vorgehen, um Schäden zu erkennen, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind. Da die Innenschale aus expandiertem Polystyrol (EPS) unter der Polsterung verborgen ist, müssen Sie das Innenleben freilegen. Platzieren Sie den Helm auf einer stabilen, gut beleuchteten Unterlage und folgen Sie diesen vier Schritten:

  1. Polster entfernen: Nehmen Sie das Komfortfutter, die Wangenpolster und alle abnehmbaren Nackenpolster heraus. Erst jetzt liegt die EPS-Innenschale frei – das entscheidende Bauteil für die Energieabsorption.

  2. Außenschale prüfen: Untersuchen Sie die Schale bei hellem Licht. Suchen Sie nach strukturellen Rissen, tiefen Kerben, die bis durch den Lack gehen, oder spinnennetzartigen Mustern im Finish. Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass sich die Schale über ihre Belastungsgrenze hinaus verformt hat.

  3. EPS-Struktur testen: Drücken Sie mit den Daumen fest über die gesamte Oberfläche der EPS-Innenschale. Suchen Sie nach weichen Stellen, bleibenden Vertiefungen oder Bereichen, in denen sich der Schaum spröde anfühlt oder von der Schale gelöst hat. Jede Abweichung von der ursprünglichen, gleichmäßigen Dichte zeigt an, dass das Material bereits gestaucht wurde und seine Schutzfunktion verloren hat.

  4. Riemen und Befestigung: Prüfen Sie das Kinnriemengewebe auf Ausfransungen. Kontrollieren Sie die Befestigungspunkte, an denen die Riemen mit der Schale verbunden sind. Achten Sie hier besonders auf Haarrisse oder lockere Nieten, da diese für den sicheren Halt bei einem Sturz unerlässlich sind.

Entscheidungsregel: Wenn Sie tiefe Kerben in der Schale oder weiche Stellen im EPS finden, hat der Helm das Ende seiner Lebensdauer erreicht. Er muss sofort ausgetauscht werden.

Wann Sie Ihren Helm ersetzen müssen

Sie müssen Ihren Helm sofort ausmustern, wenn er während eines Sturzes getragen wurde. Die Hauptaufgabe eines Helms ist es, Energie durch die dauerhafte Verformung des EPS-Innenschaums abzubauen. Jede erhebliche Krafteinwirkung – insbesondere durch das Gewicht Ihres Kopfes verstärkt – beeinträchtigt diese strukturelle Integrität. Selbst wenn die Außenschale unversehrt aussieht, könnte der Innenschaum seine Belastungsgrenze erreicht haben und Sie bei einem weiteren Aufprall nicht mehr schützen.

Verwenden Sie dieses Entscheidungsschema, um festzustellen, ob ein Helm nach einem leichten Sturz ohne Kopfkontakt (z. B. vom Sitz auf den Garagenboden) noch sicher ist:

Mustern Sie den Helm aus, wenn:

  • Die Schale sichtbare Risse, tiefe Kerben oder netzartige Sprünge im Lack aufweist.
  • Der EPS-Innenschaum sichtbare Druckstellen, Vertiefungen oder Ablösungen von der Schale zeigt.
  • Der Helm während eines Sturzes getragen wurde.
  • Sie sich über die Schwere des Aufpralls unsicher sind.

Er kann sicher sein, wenn:

  • Der Sturz geringfügig war (z. B. aus Sitzhöhe auf eine ebene Fläche).
  • Eine gründliche Inspektion keine Schäden an der Schale und keine Kompression des Innenschaums zeigt.

Im Zweifelsfall: Ersetzen Sie den Helm. Da Sicherheitsstandards wie ECE 22.06 und Snell unverhandelbare Maßstäbe für das Energiemanagement setzen, führt jede Abweichung vom ursprünglichen Design des Herstellers zum Erlöschen dieser Zertifizierungen. Mehr dazu, warum diese Standards wichtig sind, erfahren Sie in unserem Leitfaden zu Helm-Zertifizierungen erklärt.

Profi-Tipp: Wenn Ihnen der Helm herunterfällt, notieren Sie Datum und Art des Sturzes auf einem Stück Klebeband im Inneren der Schale. Sollte er erneut herunterfallen, macht die kumulative Belastung einen Austausch zwingend erforderlich.